Abrechnung!

Coronabedingt arbeite ich seit Mitte März 2020 zu 100 % im Homeoffice. Das hat zwar viele Vorteile, aber die Kosten dafür werden unterschätzt - am Ende zahlt man drauf. 

Mitte März 2020 wurde mir quasi von jetzt auf gleich mein Wunsch nach Homeoffice erfüllt. Und eins auch gleich vorweg, ich gehöre zu denjenigen, die das zu schätzen wissen und mit dieser Arbeitsweise sehr gut klar kommen. Schwierigkeiten mich zu motivieren hatte ich noch nie, ich arbeite eher mehr als weniger. Trotzdem ist es gerade mit Kind viel einfacher eine ausgewogene Work-Life-Balance zu finden. 


Work-Life-Gewinn

Ich habe die Kleine morgens zu Fuß um's Eck in den Kindergarten gebracht, wieder daheim meinen Rechner hochgefahren und los gelegt mit meiner Arbeit. Kein Weg zur Arbeit, kein Ärgern im Stau, kein Puls auf 180 zur frühen Morgenstunde... Durch den Wegfall des Arbeitsweges spare ich mir pro Tag ca. 1,5 Stunden im Auto, also ein echter Zeitgewinn. Den ich zeitweise auch investiert habe meine offizielle Arbeitszeit etwas aufzustocken. Mein Arbeitgeber hat sich über die zusätzlichen Stunden gefreut, die ich arbeiten konnte, und ich mich auch über das etwas Mehr an Geld. Wenn es dann Zeit ist den Rechner runterzufahren, ist meistens noch die Gelegenheit etwas im Haus zu machen, wie zum Beispiel den Geschirrspüler auszuräumen, um dann das Kind aus dem Kiga abzuholen. Vom Postboten, dem man zwischendrin mal ein Paket abnimmt ganz zu schweigen. So weit so gut.


Böses Erwachen

Und dann kam Anfang 2021 die erste Jahresabrechnung ins Haus geflattert. Vom Wasserverband. Wir hatten im letzten Jahr knapp 17 m3 mehr Wasser verbraucht. Die folgenden Abrechnungen von Strom und Gas zeigten ähnliche Mehrwerte. Natürlich gibt es immer Schwankungen im Verbrauch, das ist ganz klar, aber der Anstieg war schon eindeutig. Ist ja auch klar, man geht daheim auf's Klo und wäscht sich die Hände, Laptop & Co brauchen zusätzlich Strom und die Räume werden auch beheizt, während wir die Temperatur sonst zu längeren Abwesenheiten wie vormittags runter geregelt haben. Von den kleinen Annehmlichkeiten wie Kaffee, Wasser und Obst, die sonst mein Arbeitgeber bereitstellt, ganz zu Schweigen. 


Unterm Strich

Ich dachte mir dann, na gut, zwar fallen die Fahrtkosten weg, für die ich steuerlich einen Ausgleich bekomme, dafür wird es dann aber einen Ausgleich für das Arbeiten daheim geben. Den gibt es auch, die sogenannte Homeoffice-Pauschale. Die hat jedoch einen ziemlichen Haken. Denn es werden nicht wie bei der Fahrtkostenpauschale die anfallenden Kosten angerechnet, sondern die absetzbare Summe ist gedeckelt. Bedeutet, pauschal werden fünf Euro für jeden Tag im Homeoffice anerkannt, aber nur maximal 600€. Die Summe von 600€ ist nach 120 Tagen erreicht. Ich habe aber knapp 200 Tage daheim gearbeitet, mir werden also mindestens 80 Tage nicht angerechnet. Ziemlich ungerecht, schließlich sind die Kosten daheim ja angefallen und die Fahrtkosten werden ja auch analog der gefahrenen Kilometer und damit der tatsächlich angefallenen Kosten angerechnet. Profitieren tut davon der Fiskus und damit der Staat (versteckte Steuererhöhung?!). Ebenso die Arbeitgeber, die jetzt weniger in ihre Mitarbeiter investieren müssen, weil sich Büroflächen verkleinern und die Goodies wegfallen. Am Ende wird also wiedermal der Normalo-Arbeitnehmer/Steuerzahler zur Kasse gebeten - und die Work-Life-Balance teuer bezahlt.