... in der Business Class von Condor.

Von wegen Ferienflieger! Unser Eindruck: Die Condor Business Class braucht den Vergleich mit Linien-Fliegern nicht scheuen - sowohl das Bordprodukt als auch Essen und Service performen auf hohem Niveau über den Wolken. Die Prime Seats sind allerdings eine Sache für sich.

Unser Rückflug von der Karibik Kreuzfahrt ab Barbados bis Frankfurt würde ein Nachtflug sein. Unabhängig von der Fluggesellschaft, die zum Zeitpunkt unserer Kreuzfahrt-Buchung noch nicht feststand (Discover oder Condor), war für uns klar, dass wir hier Business Class fliegen würden. Es geht einfach nichts darüber, sich besonders nachts richtig ausstrecken zu können, sodass man am nächsten Morgen nicht komplett gerädert ist und vernünftig bis nach Hause kommt. Etwa ein halbes Jahr vorher waren dann die Flüge bzw. Flugzeiten in der Mein Schiff App zu sehen. Damit stand fest, dass es Condor werden würde. Ich jubelte, denn ich wollte unbedingt die Business Class im A330neo ausprobieren, von der ich schon einiges vorab gelesen hatte. Vor allem sehr viel positives.


Sitzplatzauswahl

Nun hieß es schnell sein, denn sobald die Flüge angezeigt werden, ist auch die Sitzplatzauswahl freigeschaltet. Unsere Frau Wittneben im Reisebüro reagierte wie immer prompt und schickte uns direkt aus dem Buchungsprogramm den Sitzplan, auf dem auch schon einige Plätze belegt waren. Freudig verwundert stellte ich fest, dass davon die Plätze in der ersten Reihe nicht betroffen waren. Genau diese Plätze wollte ich haben, denn diese sind bei Condor eine Besonderheit. Es handelt sich bei den Plätzen 2A, 1E, 1F und 2K um die sogenannten Prime-Seats. 

Eine Art "First Class" innerhalb der "Business Class". Die Plätze bieten noch mehr Platz, ein größeres Bett, eine gegenüberliegende Sitzmöglichkeit (inkl. Gurt) und einen größeren Bildschirm mit 24 Zoll 4K-Monitor und einer Bildschirmdiagonale von über 60 Zentimetern. Außerdem gibt es zusätzlich einen Pyjama, einen Snack-Korb mit süßen und salzigen Snacks und Free-Wifi. Bei Condor auf der Website (Fotos: Condor) sah das so aus und das fand ich mega ansprechend:

Offensichtlich wussten diejenigen, die schon Plätze reserviert hatten, nicht um diese Besonderheit. Umso besser für uns. Zudem gab es hier eine weitere positive Überraschung. Normalerweise kostet es um die 199 € Aufpreis / je Sitz (!), wenn man diese Plätze reservieren möchte. Da es sich jedoch um einen Charterflug handelte, war die Sitzplatz-Buchung für Business Class grundsätzlich kostenfrei. Wir bekamen also unsere "besseren" Wunschplätze sogar gratis obendrauf.


Tipp:

Schaut euch vorab Bilder und den Sitzplan der jeweiligen Fluggesellschaft bzw. des eingesetzten Flugzeugtyps an und setzt euch mit den Besonderheiten an Bord auseinander - das beugt auch bösen Überraschungen vor. Wir haben schon öfters festgestellt, dass eine Sitzmaske im Reisebüro nicht den Gegenbenheiten vor Ort entspricht und damit besonders in der Business Class manchmal unglückliche Sitzkonstellationen - hintereinander statt nebeneinander, durch Armlehnen/Tische getrennt statt direkt nebeneinander - zustande kommen können.  


Die App-Geschichte

Nach Buchung der Sitzplätze waren diese genau wie die Plätze für den Hinflug in der Premium Economy auch in der Mein Schiff App unter "Anreise" bei den Flügen hinterlegt. So weit so gut. Nur leider bekam ich diese analog der Hinflüge nicht in die Condor-App. Wie bei den Hinflügen konnte ich zwar über den 6-stelligen Buchungscode die Verbindung in die App laden, allerdings nur mit "Economy" und damit auch ohne Sitzplätze. Da wir inzwischen die Info hatten, dass die kompletten Daten inkl. Passagierlisten erst etwa eine Woche vor Abflug von TUI Cruises an Condor (als Charterflug-Dienstleister) überspielt werden und somit in der App sein würden, konnten wir nur abwarten. Am 31.03., also 6 Tage vor Abflug, hatten wir dann die richtige Buchungsklasse samt Sitzplätzen als Oneway-Strecke in der Condor-App und ich war etwas beruhigter, dass wir unsere Schnäppchen-Plätze auch bekommen würden.


Tipp
Die Sache mit der Condor App sorgte noch für ein bisschen Chaos an Bord. Offenbar hatten mehrere die Idee sich darüber Optionen dazu zu buchen wie u. a. auch Upgrades (wurde uns ebenfalls angeboten). Buchungen via App waren jedoch nicht gültig, da es sich um einen Charter-Flug handelte. Es gab nun also nicht gültige Upgrade-Buchungen und das Personal an Bord musste dafür sorgen diesen Sitzplatz-Konflikt zu lösen. Sehr unglücklich. Seid also vorsichtig bei zusätzlichen Angeboten von Fluggesellschaften, wenn es sich eigentlich nur um einen Charterflug handelt.


Check-in

Dass der Check-in auf karibischen Inseln etwas anders läuft als hierzulande, das wussten wir schon. Hier kam nochmal eine weitere Komponente hinzu: das Schiff. Da unsere An-/Abreise komplett via TUI Cruises lief, checkten wir am Abreisetag nicht am Flughafen ein, sondern direkt am Cruise Terminal. Ein paar Tage vorher wurde ein Zettel auf die Kabine gelegt, auf dem die Check-in Zeitfenster für die jeweiligen Flüge drauf standen. Für unseren Flug war das von 8.30-9 Uhr. Das Gepäck stellte man bereits am Vorabend vor die Kabine, damit es abgeholt wurde und dann morgens im Cruise-Terminal bereit steht.

 

Wir begaben uns dann zur angebenen Zeit zum Cruise Terminal. Hier mussten wir erst durch die Barbados-Passkontrolle, bevor wir in den Gepäck-Bereich gelassen wurden. Wir schnappten dann unsere Koffer, um uns in der Reihe für den Check-in anzustellen. Eine separate Schlange gab es nicht. Nachdem ich der Einweiserin am Ende der Schlange signalisiert hatte, dass wir Business Class Tickets hätten, dirigierte sie uns an der Schlange vorbei bis an den Anfang und wir konnten direkt an den nächsten freien Schalter gehen. Wobei Schalter hier etwas anderes bedeutet als am Flughafen. Es waren eigentlich nur Einzeltische, auf denen die ausgedruckten Klebebänder für das Gepäck lagen. Die Dame kontrollierte unsere Pässe und wendete sich dann um zu den rückseitigen Tischen, auf denen bereits alle (!) ausgedruckten Bordkarten für den Flug lagen, um unsere rauszusuchen. Hätte etwas nicht gepasst wäre zu diesem Zeitpunkt ein Wechsel nicht mehr möglich gewesen. Nachdem sie uns diese ausgehändigt hatte, bekamen unsere Koffer noch jeweils eines der Gepäck-Klebebändchen umgehängt und wurden händisch nach hinten gerollt. Ich bin ehrlich, wir waren skeptisch, ob wir unsere Koffer wirklich in Frankfurt wiedersehen würden ...


Tipp:
In der Business Class gehören 30 kg Aufgabegepäck pro Person dazu. Außerdem 2 Handgepäckstücke (55 x 40 x23 cm) + 1 kleine Tasche (40 x 30 x 15 cm), wobei alles zusammen 16 kg nicht überschreiten darf. Wer also mit  aufpreispflichtigem Aufgabegepäck zu kämpfen hat, sollte vielleicht vorab einen Blick auf höhere Buchungsklassen werfen, um dieses problemlos mitnehmen zu können und dazu bequemer zu fliegen.


Boarding

Nach dem Transfer zum Flughafen dirigierten uns die Mein Schiff Mitarbeiter vor Ort direkt von den Bussen zur Sicherheitskontrolle, die auch recht zügig vonstatten ging. Wir hätten mit unseren Business Class Tickets jetzt die Möglichkeit gehabt die Airlines Executive Lounge zwischen den Gates 12 und 13 im ersten Stock nutzen zu können, verzichteten jedoch darauf. Wir waren noch gesättigt vom Schiff, brauchten zu dem Zeitpunkt also weder Snacks noch Getränke und die mitreisenden Großeltern verfügten mit Premium Economy Tickets über keinen Lounge-Zugang. Außerdem hatte ich vorab gelesen, dass die Lounge sich eh nicht lohnen würde. Um die Zeit vor dem Abflug noch gemeinsam zu verbingen, saßen wir auf den Plätzen vor der Glasfront, schauten den Flugzeugen und deren Abfertigung zu und schlenderten noch etws durch den Shop-Bereich. 

 

Als der Aufruf zum Boarding kam, gehörten wir mit Business Class Tickets zur Gruppe A. In Barbados gibt es allerdings keine Finger, sondern die Flieger stehen auf dem Rollfeld und man wird mit Bussen dorthin gefahren. Es folgten die weiteren Gruppen wie Familien, Premium Economy Passagiere - inklusive Schwiegereltern - und auch noch Economy-Passagiere. Eben so viele Leute, bis der erste Bus voll war. Da wir als Erstes eingestiegen waren, sind wir nun aber mit die Letzten gewesen, die aussteigen konnten - und somit standen wir an der Treppe zum Flugzeug ziemlich weit hinten. So viel zum Thema Pre-Boarding.

An der Tür bogen wir dann links ab in die Business Class, nachdem die Stewardess kurz unsere Tickets kontrollierte und uns freundlich den Weg freigab. Zielstrebig steuerten wir die erste Reihe mit den Prime Seats an, wobei ich erst meine Tochter zum mittigen Platz brachte, ihr beim Verstauen half und direkt einmal auf dem gegenüberliegenden Sitz Probe saß. Im Anschluss nahm ich auf meinem eigenen Sitz am Fenster Platz. Der erste Eindruck war in jedem Fall positiv und äußerst großzügig, genau wie Condor verspricht.


Essen und Service

Nachdem sich die Passagiere langsam alle einfanden, wurde in der Business Class das Willkomens-Getränk gereicht. Rosé Sekt oder O-Saft. Ich nahm den Rosé-Sekt vom Sektgut Motzenbäcker nach der Méthode Rurale, genau wie mein Mann, und unsere Tochter den O-Saft. Prost! Auch wenn dann alle an Bord waren, sollte sich der Start noch um ein paar Minuten verzögern. Offenbar funktionierte das Inflight-Entertainment nicht. Um den Fehler zurück zu setzen, musste der komplette Flieger einmal resettet bzw. ein paar Minuten komplett vom Strom gekappt werden. Wir wurden vorgewarnt, aber es war trotzdem ein sehr merkwürdiges Gefühl kurzzeitig in diesem dunklen Flieger zu sitzen. Doch es hatte funktioniert und das Inflight-Entertainment lief im Anschluss einwandfrei. Nur ein paar Minuten später rollten wir zur Startbahn und hoben ab. Der Blick auf das nächtlich beleuchtete Barbados war grandios.

Nach Erreichen der Flughöhe wurde uns ein heißes Tuch gebracht und im Anschluss die weißen Tischdecken aufgelegt. Ich liebe diesen Moment! Dann kam die Stewardess mit der Frage welchen Apertitiv ich denn haben möchte. Da ich den Rosé Sekt bereits als Willkomens-Getränk probiert hatte, entschied ich mich für den Champagner von Philippe Gonet, zu dem ein salziger Nussmix gereicht wurde. Ich widmete mich dann erstmal der Menükarte und wenig später kam auch schon der Purser, um mich nach dem Hauptgang zu fragen. 

 

Etwas verwundert stellte ich fest, dass er sich vor unsere Tochter kniete und sie ebenfalls fragte, was sie sich ausgesucht hätte. Ich warf ein, dass wir eigentlich vorab das Kinder-Menü bestellt hätten. Er entschuldigte sich dann bei uns, weil dafür offenbar keine Buchung vorlag - das hatte also diesmal nicht geklappt. Und jetzt kam wirklich großartiger Service. Weil unserer Tochter die doch etwas speziellen Business Class-Hauptgerichte nicht zusagten meinte er, er schaue mal, was sich da machen lässt. Am Ende versorgte er unsere Tochter mit Butter, Laugenbrezeln und trieb sogar noch ein paar Würstchen auf, die er ihr warm machte. Sie war auf jeden Fall zufrieden. Er kam auch mehrfach wieder und fragte, ob sie noch etwas haben möchte. Wirklich super süß!

Ich war mir nicht sicher, ob ich lieber das "Karibische Gemüse Curry mit Kochbanane, Reis und Kokosnuss" oder "Mahi Mahi mit Kartoffelpüree, Wurzelgemüse und Kapern-Sahnesauce" nehmen sollte. Zumal ich nicht wusste, was Mahi Mahi ist. Der Purser klärte mich auf, dass es sich um eine Art Makrele handelt. Ergänzend meinte er, dass die Vorspeisen bereits sehr groß seien und ich deshalb vielleicht lieber das leichtere Mahi Mahi nehmen solle - falls ich danach doch noch Hunger hätte, würde er mir jederzeit etwas bringen. Das überzeugte mich. Was soll ich sagen, er hatte recht. Die Vorspeise inklusive Brezel aus dem gereichten Brotkob machte mich schon gut satt. Dazu entschied ich mich für den Rosé aus der Côtes de Provence, der mit seiner Frische und feinen Würze sehr gut mit dem Lachstatar und dem Salat harmonierte.

Condor Business Class: Vorspeise

Im Anschluss räumte die Stewardess das gesamte Tablett ab, ich bekam neues Besteck und der Hauptgang wurde als Einzelteller serviert. Ebenfalls mit der Frage nach einem begleitenden Wein. Hier entschied ich mich für den Riesling aus der Pfalz. Auch eine gute Wahl, denn die mineralischen Frische passte für mich hervorragend zu dem Fisch. Im Anschluss folgte das Dessert. Zuerst ging die Stewardess durch und offerierte mir ein Tablett mit wirklich köstlich aussehendem Guave-Käsekuchen. Da ich allerdings nicht so die Süße bin, lehnte ich ab. Kurz darauf folgte der Purser mit einem Tablett mit der Käseauswahl, das war schon eher meins. Als ich dankend Zugriff meinte er mit einem Augenzwinkern zu mir "Und dazu bestellen Sie sich am besten gleich noch einen leckeren Portwein". Nicht ganz, als die Stewardess dann mit Getränkewunsch kam, ließ ich mir einen Gin mit Zitrone einschenken.

Nachtflug und Schlaferlebnis

Im Anschluss an das Essen war uns wichtig, dass unsere Tochter so lange wie möglich schlafen kann. Als die Tabletts abgeräumt und die Tische nach oben geklappt waren, schickten wir sie ins WC, sich einmal fürs Bett frisch zu machen. Währenddessen fuhr ich ihren Sitz in Liegeposition und breitete den Matratzentopper sowie die Decke aus, sodass ein bequemes Bett entstand. Unsere Tochter kuschelte sich dann ein und schlief durch, bis wir sie zum Frühstück weckten bzw. die Kabine wieder aufgehellt wurde. 
 
Bei mir sah das anders aus. Ich richtete mir zwar ebenfalls ein richtiges Bett mit Topper her, kuschelte mich gemütlich in Decke und Kissen ein, schaute meinen Film noch zu Ende und schaltete dann aus, aber richtig schlafen kann ich an Bord einfach nicht. Zumal mir hier auch normale Ohrstöpsel fehlten, um die Geräusche ringsum auszublenden. Ich hatte zwar meine Bose In-Ear Kopfhörer mit Noise Cancelling dabei, aber liegen kann man damit nicht. Und ich hatte auch Angst, dass diese rausrutschen, dann ggf. in den Sitz fallen (wie bei Air France) und dann nicht mehr auffindbar sind. Außerdem war es ein sehr unruhiger Flug mit vielen Turbulenzen. Eigentlich ruckelte es die gesamte Zeit und die Anschnallzeichen waren fast durchgängig an. Dafür kann Condor aber nichts. 
 
Als die Kabine abgedunkelt war, offenbarte sich zudem ein Nachteil der Prime-Seats am Fenster. Durch die großzügige Entfernung ohne ergänzenden variablen Sichtschutz zum Gang blickte man auf zwei Bildschirme der Nachbarsitze. Klar, in Liegeposition und gerade bei Nachtflügen schalten auch viele die Bildschirm aus, fällt das weniger ins Gewicht, sofern man allerdings einen Film schauen möchte, kann die helle visuelle Ablenkung durchaus störend sein.

Das Bordprodukt und die Prime Seats

Mein größter Kritikpunkt an der Premium Economy von Condor war der Sitz an sich. Der Sitz in der Business Class konnte bei mir ausschließlich punkten, sowohl was die Bequemlichkeit angeht als auch die Praktikabilität. 

 

Das Sitzelement selbst unterscheidet sich nicht von den anderen Plätzen in der Business Class. Ist also nicht breiter und bietet damit in Liegeposition im oberen Bereich auch nicht mehr Platz als die anderen Sitze. Mir hat es vollkommen gereicht, dass ich bequem sitzen als auch liegen und mich in dieser Position auch noch drehen konnte. Für unsere Tochter war das Platzangebot einfach nur perfekt. Natürlich lässt sich der Sitz mehrfach verstellen, von Start-/Landeposition über Lese- bis hin zur Liegeposition und alles dazwischen. Ergänzend war über die Bedienung der Härtegrad einstellbar und die integrierte Leseleuchte.

Der Unterschied der Prime Seats liegt vor allem (wahrscheinlich auch bauart-bedingt der ersten Reihe geschuldet) beim gegenüberliegenden Element mit der großen Ottomane inklusive Sitzmöglichkeit. Hier wurde auch direkt mitgedacht und neben praktischen Zeitschriftenhaltern an der Seite noch eine Ablage-/Abstellmöglichkeit inklusive Glasvertiefung geschaffen. Außerdem ist im Ottomanen-Element an der Seite auch der Tisch integriert, der sich dann herunterklappen und variabel verschieben lässt. 

Betrachtet man den großzügigeren Platz der Prime Seats, also die Entfernung von immerhin 3 (!) Fenstern von Sitz zu TV, wird dann auch deutlich, warum die Bildschirme hier nochmal größer sind. Nur so kann man den Bildschirm von seinem Platz aus noch angenehm sehen. Die an der Seite integrierte und herausziehbare Fernbedienung am Sitz war in diesem Fall also durchaus notwendig, um das Inflight-Entertainment praktikabel bedienen zu können. Sie funktionierte aber recht gut, wenn man den Dreh einmal raus hatte. Das Inflight-Entertainment selbst war mit (aktuellen) Kinofilmen und Serien als auch der separaten Kinder-Nutzeroberfläche und den verschiedenen Flugmodi definitiv unterhaltsam.

Ansonsten bietet der Sitz wirklich viel und praktische Ablagemöglichkeiten. Am Sitz selbst gibt es die etwas größere Ablage mit Glasvertiefung, an der auch die Mehrfachsteckdose ist, sodass man seine Devices bequem ablegen und ggf. direkt laden kann. Darüber ist nochmal ein Ablagefach mit Hängevorrichtung für die Kopfhörer und die indirekte Lesebeleuchtung. 


Amenities

Erster Pluspunkt, in der Business Class gab es, wie zu erwarten, richtige Over-Ear Noise-Cancelling Kopfhörer. Okay, zum Schlafen im Liegen taugen sie nicht, aber ansonsten machten sie akustisch einen super Job - ich hörte meinen Film und nur wenig vom Flieger.

 

Außerdem lagen am Platz Slipper im dunkelblauen Condor Streifen-Design, eine kuschelige Decke und ein bequemes Kissen. Ich kleiner Flugnerd schnallte zum Start erstmal alles auf der Ottomane an, damit nix herumfliegen kann. Die Slipper habe ich inzwischen echt zu schätzen gelernt. Normalerweise lasse ich auf Flügen meine Schuhe an (der "schnell raus" Sicherheitseffekt). Hat man die Chance sich auf Nachtflügen auszustrecken, ziehe ich sie aber auch aus. Mal ehrlich, wer will denn dann seine Schuhe wieder anziehen, wenn man nur kurz aufs Klo will?! Aber auf Socken aufs Bord-WC, nein Danke? Also, Hallo Slipper!

 

Ebenso dabei war eine 0.5l Flasche stilles Wasser, ein Business Class spezifischer Travel Organizer und ein Amenity Kit. Letzteres enthielt zwar neben Kuschelsocken, Schlafmaske und Zahnputzset nun auch Gesichts- und Lippenpflege von Rituals - zu meinem großen Bedauern aber wieder keine banalen Ohrstöpsel.

 

Weil es sich um einen Charterflug handelte, gab es leider weder den zusätzlichen Snackkorb, noch den Pyjama (soooo schade!), die sonst zu den von Condor angeteaserten erweiterten Annehmlichkeiten der Prime Seats gehört. Und auch kein Voucher für Free WiFi. Da ich Letztetes nicht brauchte, habe ich allerdings auch nicht danach gefragt.


Tipp:

Eigentlich war ich es fast schon gewohnt, dass ein Amenity Kit so etwas banales wie Ohrstöpsel enthält - und hatte entsprechend keine (mehr) dabei. Offenbar ist dem nicht so. Wenn ihr also in Ruhe schlafen wollt, dann nehmt euch welche mit.


Frühstück und Ankunft in Frankfurt

Dass sich die Crew auf den morgendlichen Service vorbereitete bekamen wir durch Geräume und das Geklappe von Türen aus der vorderen Galley mit, noch bevor die Kabine langsam aufgehellt wurde. Die direkte Nähe zur Galley ist hier definitiv ein Nachteil der Prime Seats, der besonders bei Nachtflügen zum Tragen kommt, wenn es in der Kabine generell ruhiger ist. 

 

Für meinen Geschmack hätte die Kabine noch etwas länger abgedunkelt sein können. Wenn man seinen Sitz aufstellte, kam die Crew dann recht zügig und fragte nach den Präferenzen für das Frühstück. Ich wollte auf jeden Fall erstmal einen Kaffe und den angebotenen frischen Orangensaft. Im Anschluss wurde das Tablett mit dem Frühstück und die Brötchenkorb-Auswahl gereicht. Das Croissant lehnte ich ab, ebenso die Omelette-Eierspeise. Irgendwie war ich noch komplett satt von dem Essen am Abend. Aber das Frühstück war wirklich gut. Es wurde auch mehrfach gefragt, ob man noch weiteres Gebäck haben möchte. Und es ist wirklich ein großartiges Erlebnis so über den Wolken frühstücken zu können! Egal, ob man einfach nur nebenbei einen Film schaut oder den Blick aus dem Fenster schweifen lässt. Hätte ich danach gefragt, ein Glas Sekt/Champagner hätte man mir ebenfalls nicht verwehrt.

Zu meiner großen Freude kamen wir überpünktlich in Frankfurt an. Nachdem die Finger angedockt und die Türen geöffnet waren, gab der Purser auch zügig den Ausgang frei mit den Worten "Also wer raus möchte, darf jetzt gehen. Ansonsten sitzen bleiben und nachher mit nach Südafrika fliegen.". Da wir als erstes aussteigen durften, waren die Gänge als auch die Passkontrolle in Frankfurt noch komplett leer. Wir kamen also zügig in den Bereich mit den Kofferbändern. Hier folgte allerdings ziemlich bald Ernüchterung. Das Gepäck wurde verspätet ausgeladen und erst 45 Minuten nach der Landung begannen die Bänder zu laufen. Unser Gepäck gehörte dann - trotz Priority Bändchen - mit zu den Letzten. Offenbar heißt Priority in Barbados dasselbe wie beim Pre-Boarding: als Erstes rein, als Letztes raus. 


Fazit

Condor hat uns in der Premium Economy leider nicht überzeugt, in der Business Class aber umso mehr! Das Flugerlebnis kann durchaus mit Linienfliegern mithalten. Der Service war absolut top und kundenorientiert (hängt natürlich von der Crew ab, aber die war bei uns absolut spitze!), Essen und Getränke hervorragend und das Bordprodukt selbst lässt eigentlich keine Wünsche offen. Von mir eine klare grundsätzliche Buchungsempfehlung.

 

Die Prime Seats sind für einen Tagflug eine tolle Sache. Vor allem wenn man ggf. mit Kindern oder Freunden unterwegs ist, bietet sich durch die Möglichkeit sich gegenüber sitzen zu können, ein gemeinsames Erlebnis und das Mehr an Platz ist deutlich spürbar. Auf einem Nachtflug ist man auf einem normalen Sitz, am weitesten entfernt zur Galley, hingegen besser aufgehoben. Sie bieten mehr Ruhe und eine größere Privatsphäre, was zum Schlafen angenehmer ist. Trotz diese Erkenntnis bereue ich die Wahl der Prime Seats zum Ausprobieren nicht, es war ein tolles Erlebnis. Und für´s nächste mal wissen wir es dann besser.

 

Und jetzt wieder die Frage, lohnt sich hierfür der Aufpreis? Ganz klar, jaaa!!!!! Zum Vergleich, wir sprechen hier in diesem Fall von einer Differenz von "nur" knapp 580 € pro Person im Gegensatz zu dem, was wir auf dem Hinflug für die Premium Economy bezahlt haben - für ein deutliches Mehr an Genuss und Komfort! Hätten wir das vorher gewusst, wären wir tatsächlich beide Strecken Business Class geflogen. Schaut man bei Condor auf die Website kann die Differenz von der Business Class zur Economy allerdings auch das Vierfache und ausgehend von der Premium Economy das Doppelte des Flugpreises betragen. Also unbedingt vorher Buchungsklassen vergleichen und dann entscheiden, wie komfortabel ihr fliegen wollt. Natürlich sprechen wir hier grundsätzlich von einem nicht unerheblichen Mehrpreis aufs Urlaubsbudget, nur für die Flüge. Nicht jeder kann und will sich das leisten. Aber wer weiß, vielleicht habt ihr Glück und das Angebot lohnt sich ...? Ich bin unglaublich froh und danbkbar dafür, dass wir die Möglichkeit haben Fliegen so erleben zu können.