... in der Premium Economy von Condor.

Nach unserem Flug mit Condor können wir sagen, Premium Economy ist nicht gleich Premium Economy - vergleichen vorab lohnt sich, um für sein Geld auch möglichst bequem zu fliegen. Condor macht hier zwar vieles gut, hat aber leider ein entscheidendes Manko.   

Nachdem wir mit Air France wirklich gute Erfahrungen gemacht haben, dachten wir Premium Economy ist eine gute Alternative lange Flüge nicht komplett wie eine Sardine zu verbringen, ohne teure Business Class Tickets zu kaufen. Für unsere Anreise nach Barbados, zur Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 2 durch die Karibik, entschieden wir uns daher für den Hinflug für die Premium Economy Variante. Zum Zeitpunkt unserer Buchung war noch nicht klar, welche Fluggesellschaft - Discover oder Condor - diese übernehmen würde. Etwa ein halbes Jahr vorher waren dann die Flüge bzw. Flugzeiten in der Mein Schiff App zu sehen. Damit stand fest, dass es Condor werden würde. Was mich freute, denn Discover kannten wir schon, zumindest die Business Class, und ich war wirklich gespannt auf die neue A330neo Flotte mit dem überarbeiteten Bordprodukt.


Sitzplatzauswahl

Nun hieß es schnell sein, denn sobald die Flüge angezeigt werden, ist auch die Sitzplatzauswahl freigeschaltet. Unsere Frau Wittneben im Reisebüro reagierte wie immer prompt und schickte uns direkt aus dem Buchungsprogramm den Sitzplan, auf dem auch schon einige Plätze belegt waren - leider auch schon ein Teil der ersten Reihe in der Mitte, die wir favorisiert hätten. Da wir gerne alle zusammen - 5 Personen - in einer Reihe und auch möglichst vorm Flügel sitzen wollten, blieb uns noch Reihe 13 (A und C am Fenster für die Schwiegereltern und D, E und F in der Mitte für uns). Immerhin. Die Sitzplatzbuchung kostete uns dann 25 € je Sitz, also insgesamt nochmal 75 €. 


Tipp:

Auch bei Condor hat die erste Reihe nochmal mehr bzw. wirklich großzügig Beinfreiheit, ich würde aber in diesem Fall Plätze in der Mitte bevorzugen. Auch weil hier die Monitore an der Zwischenwand zur Bordküche befestigt sind. An den Fensterplätzen sind die Monitore in den Armlehnen, es gibt noch weniger Ablagemöglichekiten und man hat durch die Lage vor Bordküche und WC während des Fluges ggf. ständig fremde Leute vor sich stehen. 


Die App-Geschichte

Nach Buchung der Sitzplätze waren diese auch in der Mein Schiff App bei den Flügen hinterlegt. So weit so gut. Wie bei Air France wollte ich mir die Flüge samt Sitzplätze auch in die Condor-App laden, um darüber auch das Kinder-Menü für unsere Tochter zu hinterlegen. Das funktionierte jedoch nur mäßig. Über den 6-stelligen Buchungscode konnte ich zwar die Verbindung in die App laden, es wurde allerdings immer nur "Economy" angezeigt und damit natürlich auch keine Sitzplätze. Nach einigem Hinterhertelefonieren unseres Reisebüros bei Condor kam dann raus, dass das mit Vollcharterflügen etwas spezieller ist. Also sie werden zwar von Condor durchgeführt, Condor ist aber nur der Dienstleister für TUI Cruises. Damit geht einher, dass die kompletten Daten inkl. Passagierlisten erst eine Woche vor Abreise von TUI Cruises an Condor gemeldet und in die App überspielt werden. Am Ende waren die Flugdaten inklusive Sitzplätze 5 Tage vorher korrekt in der App, allerdings nur als Oneway-Hinflug. Der Rückflug würde erst wieder ein paar Tage vorher in der App sein. Da mussten wir uns überraschen lassen, ob das klappt ... 


Tipp:

Da ich das Kinder-Menü dann nicht über die App ergänzen konnte bzw. wollte, weil es für Economy aufpreispflichtig (ab 19,99 €) war, für Premium Economy jedoch inklusive, hat unser Reisebüro das über die Condor-Hotline gemacht. Das Menü war dann mit dem 6-stelligen Buchungscode verknüpft. Wenn ihr also Sonderwünsche habt, greift direkt zum Hörer.


Anreise und (Vorabend) Check-in

Da unser Flug morgens um 9.50 Uhr abheben sollte, war für uns klar, dass wir bereits einen Abend vorher anreisen würden. Ich suchte also raus, wann (18-20 Uhr) und in welchem Terminal in Frankfurt der Vorabend-Check-in stattfindet. Dort trafen wir uns mit den Schwiegereltern und machten uns gemeinsam auf den Weg zu den entsprechenden Condor-Schaltern, von denen es vor Ort einen für Business, einen für Premium Economy und einen für Economy gab. Für Business und Premium Economy Passagiere ist der Vorabend-Checkin kostenfrei, für Economy Passagiere ist er aufpreispflichtig (10 € pro Person). Das weiß ich so genau, weil uns die Dame am Schalter die Gebühr berechnen wollte. Als ich sie auf die Premium Economy Buchungsklasse aufmerksam machte, ruderte sie zurück: "Ach stimmt, ja, dann brauchen Sie das nicht bezahlen." Aufgrund der App-Geschichte wäre übrigens gar kein Vorabend- bzw. Online-Check-in via Condor-App möglich gewesen. 


Tipp:
Macht euch immer vorab schlau, was zu eurer Reiseklasse an kleinen und großen Services (Vorabend-Check-in, Fast Lane, erweitertes Freigepäck etc.) dazu gehört und was nicht. In diesem Fall wören es für uns insgesamt 30 € für den Vorabend-Check-in gewesen, die man bei Nichtwissen ahnungslos gezahlt hätte, obwohl es im Ticket enthalten gewesen wäre. 


In der Premium Economy gehört pro Person 25 kg Aufgabegepräck dazu. In der normalen Economy sind es nur 20 kg. Mit unserer großen, 21 kg schweren Tasche hätten wir somit wahrscheinlich Probleme bekommen. Da wir aber um die Erweiterung wussten und unser Gepäck natürlich vorher gewogen hatten, war das nun kein Problem. Unsere beiden Gepäckstücke bekamen noch das Priority-Label umgehängt, dann ging es auf die Reise und wir würden die Koffer erst auf dem Schiff wiedersehen. Nun hatte jeder von uns nur noch seinen Handgepäck-Rucksack, womit wir wir uns zu Fuß auf den Weg zum Hotelkomplex des Franfurter Flughafens machten, wo uns vorab gebuchte Zimmer im Holiday Inn erwarteten.


Tipp:
Wir haben uns relativ große Handgepäck-Rucksäcke besorgt (gibt es regelmäßig kostengünstig bei Lidl oder Aldi in wirklich guter Qualität). Rucksäcke deshalb, weil diese flexibler verstaubar sind als ggf. (Hartschalen) Kabinen-Trolleys und man damit unterwegs beide Hände frei hat. Wir bestücken diese immer mit Klamotten/Utensilien für ggf. Vorab-Übernachtung (Schlafzeug), Badezeug und Wechselsachen für mindestens 2-3 Tage, falls die Koffer weg sein sollten. Achtet hier aber unbedingt auf die Vorgaben der Fluggesellschaft, was Größe und Gewicht angeht. Bei Condor gehört in der Economy nur 1 Handgepäckstück (55 x 40 x 23 cm und 8 kg) dazu. In der Premium Economy ist es 1 Handgepäckstück (55 x 40 x 23 cm und 8 kg) und 1 kleine Tasche (40 x 30 x 15 cm), wobei beides zusammen 10 kg wiegen darf.


Boarding

Am nächsten Morgen frühstückten wir entspannt und machten uns den knappen Kilometer wieder zu Fuß auf den Weg vom Hotel zum Flughafen. Etwas laufen konnte nicht schaden, wir würden heute noch genug sitzen. Dort steuerten wir direkt die Sicherheitskontrolle an. Zur Premium Economy gehört eigentlich auch, dass man hier die Fast Lane nutzen darf. Diese gab es allerdings nicht, nur eine Reihe für alle. Es war im gesamten Bereich aber auch nicht voll und genug Reihen offen, sodass wir schnell durch waren und dann langsam zum Gate schlenderten. 


Mit Premium Economy gibt`s leider keinen Lounge-Zugang, entsprechend warteten wir wie alle anderen am Gate vor dem Flieger bis die Boarding-Zeit heran rückte. Von unserem Platz direkt an der großen Glasfront hatten wir direkten Blick auf unsere Condor-Maschine mit dem blauen Ringelmuster und konnten beobachten, wie diese noch beladen wurde. Ich persönlich schaue mir das immer wieder gerne an. Zwischendrin ging es natürlich nochmal aufs Klo, die Wasserflasche am Spender bei den WC`s auffüllen und wir schnappten uns noch Magazine aus dem Zeitschriftenregal. Ich war übrigens positiv überrascht, dass man sich hier gratis mit Stern, FAZ, Jolie und einigen anderen Magazinen und Zeitungen versorgen kann.


Tipp:

Ich habe für Flüge immer leere Shaker bzw. Trinkflaschen und Sirups dabei. Die leeren Flaschen kommen ohne Wenn und Aber durch die Sicherheitskontrolle und können dann entweder an entsprechenden Spendern oder zur Not am Waschbecken im WC befüllt werden. So hat man immer genug zu Trinken ohne auf den überteuerten Kram am Flughafen angewiesen zu sein.

Etwa eine dreiviertel Stunde vor Abflug kam der Aufruf für Gruppe A, also Personen mit Beeinträchtigung, Familien mit Kleinkindern und Business Class Passagiere. Im Anschluss, ca. 10 Minuten später, folgte Gruppe B zu der u. a. wir mit Premium Economy gehörten. Wie es immer so ist, standen hier dann wieder weit mehr Personen an, als eigentlich aufgefordert ... Nach der Ticketkontrolle ging es durch den Zugang zum hinteren der beiden Finger, der an der zweiten Tür am Flieger andockt. Zwei Stewardessen begrüßten uns freundlich beim Einsteigen und ich war überrascht über den großzügigen Platz an der Tür vor der ersten Reihe der Premium Economy. Dieser ist bedingt durch das Kabinendesign, weil hier sowohl die Bordküche als auch die Toiletten liegen und bietet sich auch während des Fluges an, um vor dem WC/der Bordküche zu warten und sich mal kurz die Beine zu vertreten. Was die Passagiere in der ersten Reihe wohl allerdings weniger begeistert. 


Nichtsdestotrotz staute es sich natürlich auch hier schon wieder auf, weil einfach viele Leute erstmal anfangen sich in den Gang zu stellen und in den Gepäckfächern rumzukramen. Ich finde allerdings auch unglücklich, dass man - hat man seinen Sitz einmal gefunden - nicht nur seinen eigenen Kram verstauen muss, sondern auch die Dinge, die bereits auf den Sitzen liegen. In unserem Fall war das ein ziemliches Paket aus Decke, Kissen, Kopfhörer, Amenity Kit und Wasserflasche. Sich direkt hinzusetzen ist also fast gar nicht möglich. Allerdings kann man zumindest schonmal in die Reihe treten, um andere vorbei zu lassen. Wir schafften es aber pünktlich gegen 9.50 Uhr gen Karibik abzuheben.


Essen und Service

Nach Erreichen der Flughöhe wurde uns ein Begrüßungsgetränk - Sekt oder O-Saft - und eine kleine Tüte mit Brezeln gereicht. So konnten wir zumindest schonmal auf die Reise anstoßen, sehr nett. Dann fing es langsam an nach Essen zu riechen und die Sondermenüs wurden ausgeteilt. Ich war gespannt, aber die Vorab-Buchung via Condor-Hotline war korrekt hinterlegt und unsere Kleine bekam ihr Kinder-Menü. Das war nicht nur optisch süß her gemacht, sondern auch kindgerecht bestückt. Es gab Nudeln mit Bolognese, einen Kartoffelsalat mit kleinen Würstchen und ein Oreo-Eis. Unserer Tochter hat es auch prima geschmeckt. Ich wiederum war begeistert von dem Salz-Pfeffer-Streuer in Form eines kleinen Flugzeugs.

Währenddessen schaute ich mir die Speisen- und Getränkekarte an. Beim Hauptgang hatte man prinzipiell die klassische Wahl zwischen "Chicken or Pasta", auch wenn "Hähnchenbrust, Kartoffelgratin, Brokkoli, Ragout Sauce" und "Italienische Tagliatelle, Carbonara, Parmesan, Trüffel" natürlich weitaus netter klingt. Beide Hauptgang-Varianten sahen auch nicht nach "Pamps" aus, sondern recht ansprechend. Also der optische Eindruck vom "Taste the World Premium Menü" war schonmal gut, wobei ich jetzt nicht weiß, inwieweit sich das vom "Taste the World Standard Menü" in der Economy abhebt. Auch geschmacklich war es in Ordnung. Ich fand besonders die Vorspeise, den "Apfel-Rotkohl Salat mit der Scheibe Roastbeef" schön frisch für ein Flugzeug-Essen. Und es gab auch hier richtiges Besteck! Begleitend zum Essen kamen die Stewardessen mit einer weiteren Getränke-Runde, zu der ich mir eine Cola-Light (für den Durst) und einen Weißwein (als Essensbegleitung) bestellte. Der deutsche Wein war an sich ebenfalls gar nicht so schlecht, schmeckte aber in diesem Plastikbecher einfach nicht wirklich gut. Ich persönlich fand die Stewardessen hatten dann ein ganz gutes Timing die leeren Tabletts wieder abzuräumen und mit einer weiteren Getränke-Runde durchzugehen. 


Tipp

Es ist nur ein kleines Detail, aber ich finde wirklich praktisch, dass diese Speisen- und Getränkekarten inzwischen (nicht nur in der Business Class) eingeführt wurden. So muss man nicht das Personal fragen, was es überhaupt so gibt (und diese das Angebot herunterleiern), sondern kann direkt seine Wünsche äußern. Ich kann mir vorstellen, dass das durchaus auch eine Zeiteinsparung beim Service bedeutet. 

Zwischendrin kamen die Stewardessen dann noch einmal mit einer Runde Schokoladeneis im Condor-Design und es gab sogar ein richtiges heißes Tuch. Kein verpacktes Frische-Tuch. Wahrscheinlich etwas zum wach werden nach den vielen Stunden im Flieger, bevor der Snack vor der Landung ausgeteilt wurde. Die kleine warme Pizza war okay, richtig gut geschmeckt hat mir hingegen der Linsen-Quinoa-Salat mit Hähnchen und der Fruchtsalat. Der Keks wanderte zu unserer Tochter. Und natürlich gab es dazu nochmal eine Getränkerunde.

Über zu wenig Getränkerunden konnten wir uns wirklich nicht beschweren. Ergänzend gab es am Platz eine 0,5 l Flasche stilles Wasser und wir hatten jederzeit die Möglichkeit zwischendrin etwas zu Trinken zu bekommen. So bestellten sich einige um uns herum am Nachmittag noch eine Runde Kaffee, die dann einzeln ohne Wagen ausgeteilt wurden. Und ich nahm uns zur Einstimmung auf die Karibik auf dem Rückweg vom WC noch eine Runde Rum-Cola mit. Holte man sich Getränke selbst, wurde allerdings nach der Sitzreihe gefragt, da nur in der Premium-Economy die alkoholischen Getränke inkludiert sind. 


Tipp:

In der Economy sind nur alkoholfreie Getränke und Heißgetränke (wie Kaffee/Tee) inklusive. In der Premium Economy hingegen sind sowohl alkoholfreie als auch alkoholische Getränke (z. B. Wein und Sekt) zu den Mahlzeiten inklusive. Tatsächlich ist das auch mit ein Buchungsgrund für uns gewesen. Wobei wir alkoholische Getränke nicht nur zu den Mahlzeiten, sondern auch zwischendrin bekommen haben. 


Inflight-Entertainment

Wie vertreibt man sich am besten die Zeit auf einem Langstrecken-Flug? Na klar, mit Medien. Das Inflight-Entertainment auf den 4K-Bildschirmen bot hier eine breite Auswahl an Serien, (aktuellen) Filmen und Musik. Für Kinder gab es wieder eine eigene Benutzeroberfläche mit altersgerechter Auswahl. Ich stöberte mich zudem durch die verschiedenen Flugmodi, wo man Höhe, Geschwindigkeit, Position etc. abrufen kann - nur leider nicht bei Start und Landung (hier fehlte mir echt die Live-Kamerasicht nach vorne bzw. unten wie bei Air France). Das Inflight-Entertainment konnte man entweder mit Condor-Kopfhörern via Kabel verbinden oder via Bluetooth mit eigenen Kopfhörern. Beides hat bei uns einwandfrei funktioniert. Für Unterhaltung war also bestens gesorgt. Nur, konnte man das auch lange aushalten? 


Sitzerlebnis

Für einen bequemen Flug essenziell ist für mich der Sitz. Und der hat mich bei Condor nicht überzeugt. Bei Condor ist die Premium Economy genauso bestuhlt (2 - 4- 2) wie auch die Economy. Der wesentlichste Unterschied ist hier das Mehr an Sitzabstand zum Vordersitz. Wie man auf den Bilder sieht, macht das schon etwas aus. Ich bin mit 1,58 m nicht groß und habe mit Abstand zum Vordersitz daher selten Probleme, aber auch mein Mann und andere größere Passagiere stießen nicht mit den Knien an den Vordersitzen an. Das macht einen langen Flug schon erträglicher. So hat man auch den Vordermann zumindest nicht direkt auf den Knien liegen, wenn dieser seinen Sitz zurücklehnt - deutlich spürbar ist Letzteres trotzdem. Dazu kommt die Sitzbreite. Wer etwas korpulenter gebaut ist, der kann sich auf der zur Verfügung stehenden, doch recht schmalen Sitzfläche durchaus eingeengt fühlen. Vom Sitznachbarn ist man nur durch eine kleine, flexible Armlehne getrennt. Besonders wenn man ggf. neben fremden Leuten sitzt, kann diese "Nähe" unangenehm sein. Ansonsten war der Sitz okay von der Polsterung, die mehrfach verstellbare Fußstütze am Vordersitz habe ich nicht genutzt.


Tipp:

Die flexible Armlehne kann bei freien Nebensitzen natürlich den Vorteil haben, dass man diese hochklappen und damit mehr Fläche, zum Beine hochlegen oder ggf. sogar zum Hinlegen, nutzen kann. Zum Ein- und Aussteigen, also "reinrutschen" in die Reihe, ist eine hochgeklappte Armlehne ebenfalls einfacher - das Sitzerlebnis selbst finde ich in einem (Schalen-)Sitz mit festen Armlehnen, auf denen man ggf. sogar noch etwas abstellen kann, auf einem Langstreckenflug jedoch angenehmer.


Sehr praktisch war die schmale, ausklappbare Ablagefläche direkt unter dem Bildschirm in direkter Nähe zu den USB-/Kopfhörer-Anschlüssen. Hier konnte man kleine Dinge wie Getränke, Snacks oder auch das Smartphone abstellen/ablegen (und direkt laden) ohne den großen Tisch herunterklappen zu müssen. Bis auf das Netz am Vordersitz gab es allerdings direkt am Sitz keine weiteren Ablagemöglichkeiten. Wenn man Decke und Kissen (sofern man diese Dinge nicht direkt braucht, kann das natürlich in die Gepäckfächer), Amenity Kit und Wasserflasche verstauen will, kommt man hier nicht nur schnell an die Grenzen, sondern beschränkt durch das ausgedehnte Netz auch die Beinfreiheit. Zudem sind die Netze nach rechts und links offen, sodass man auch aufpassen muss, dass an den Seiten nichts raus fällt. Angenehm war hingegen die dreifach verstellbare Kopfstütze, über die sich der Kopf in Position halten ließ. Nimmt man noch das Kissen dazu, ist der Kopf recht fest gebettet ohne wegknicken zu können und ich konnte etwas dösen. Ob man so auf einem Nachtflug schlafen bzw. Ruhe finden kann, kann ich allerdings nicht beurteilen. 


Tipp:
Kissen und Decken gehören in der Premium Economy dazu. In der Economy gibt es Kissen, Decken auf Tagflügen auf Anfrage. Zusammen mit der verstellbaren Kopfstütze kann man in meinen Augen darauf verzichten ein separates Nackenkissen mitzuschleppen. 


Amenities

Neben dem etwas besseren Sitzerlebnis gehören zur Premium Economy noch ein paar weitere Annehmlichkeiten. Zum Beispiel sind die Kopfhörer inklusive. Wobei das auch keine Knaller sind, sondern recht einfache In-Ear-Kopfhörer mit Kabel. In der Economy kann man diese bei Bedarf für 3,50 € kaufen. Ich denke ein Großteil der Passagiere wird hier eher die Möglichkeit nutzen, das Inflight-Entertainment - via Bluetooth - mit den eigenen Kopfhörern zu verbinden. Das Amenity-Kit mit Kuschelsocken, Schlafmaske und Zahnputzutensilien oder die Travel-Organizer - die es übrigens in verschiedenen Ausführungen gibt und die man sammeln kann - sind ein nettes Nice to Have. Eine Schlafmaske kann durchaus praktisch sein, wenn man etwas Schlafen/Dösen möchte und die Kabine sehr hell ist. Ich persönlich fand jedoch schade, dass Ohrstöpsel nicht zum Inhalt gehörten. Aufgrund der "Flüsterkabine" des A330neo hält man diese wohl nicht mehr für notwendig. Wobei ich sagen muss, dass der Flieger zwar deutlich leiser war als andere, allerdings eher bezogen auf die Triebwerke. Was den Geräuschpegel im Inennraum anhebt ist eher das permanente rauschen der Klimaanlange - und das hörte man genauso.  


Tipp:
Hier hat mich Condor etwas enttäuscht. Bei Air France - und wahrscheinlich auch bei anderen Fluggesellschaften - gab es auch in der Premium Economy große Over-Ear-Kopfhörer mit Noise-Cancelling. Zum Glück hatte ich so oder so meine Bose In-Ear-Kopfhörer mit Noise-Cancelling dabei. Wenn ihr also in Ruhe einen Film schauen oder Musik hören wollt, egal ob via mitgebrachten Devices oder Inflight-Entertainment, würde ich euch raten eigene Noise-Cancelling-Kopfhörer dabei zu haben.


Fazit

Der Flug mit Condor in der Premium Economy war okay, besonders der Service war wirklich gut mit nettem und aufmerksamen Personal sowie vielen Getränkerunden. Das Essen war für Premium Economy qualitativ gut und auf den veränderten Geschmack über den Wolken ausgerichtet. Allerdings weiß ich nicht, inwiefern diese Punkte auf normalen Condor-Flügen der Fall sind. Für einen Charterflug bestellt der Auftraggeber wie TUI Cruises die Leistungen in der Kabine - und dazu gehört eben auch sowas wie weitere Getränkerunden. Die Utensilien aus dem Amenity-Kit bzw. die Travel-Organizer sind ein nettes Nice-to-Have, bringen aber für mich keinen spürbaren Mehrwert auf dem Flug.

 

Das größte Manko ist die Bestuhlung, weil es sich um denselben Sitz wie in der Economy handelt, nur mit mehr Beinfreiheit und Fußstütze. Da man hier auf einer Langstrecke viele Stunden verbringt, ist dieses Kriterium für mich tatsächlich ausschlaggebend zu sagen, dass ich persönlich die Condor Premium Economy nicht wieder buchen würde. Vor allem für den Preis. Wenn ich bedenke, dass die Differenz zur Business Class in diesem Fall nur knapp 500 € pro Person für ein spürbares Mehr an Komfort und Genuss gewesen wären, wie wir im Nachhinein gesehen haben, hätte ich direkt Business Class gebucht.

 

Meines Erachtens handelt es sich insgesamt auch eher um ein "Economy +" als um ein "Premium" Erlebnis. Das machen andere Fluggesellschaften besser: Mit separatem Kompartment im Flieger, großzügigeren Sitzkonzepten und nützlichen Annehmlichkeiten wie Noise Cancelling-Kopfhörern. Natürlich spielt der Preis hier eine Rolle. Wenn man weniger Sitze zugunsten von mehr Platz einaut, dann wird das auf das Ticket umgesetzt. Entsprechend teurer sind (je nach Angebot) auch Premium Economy Tickets bei anderen Fluggesellschaften.

 

Oftmals ist es so, dass die Premium Economy allerdings nur 200-300 € teurer ist als normale Economy, während Business Class Tickets ein Vielfaches kosten. Wer es nur ein klein wenig bequemer haben möchte im Flieger, für den ist die Condor Premium Economy dann eine gute Aufpreis-Alternative. Liegt der Aufpreis hingegen höher, würde ich entweder eine andere Fluggesellschaft mit "besserer" Premium Economy wählen oder ggf. direkt die Business Class in Betracht ziehen.